
Das Konzept
Vieles von dem, was uns begegnet, offenbart seinen Kern nicht sofort. Wir haben uns daran gewöhnt, Oberflächen nur noch zu scannen, anstatt sie zu durchdringen – und im Zweifel haben wir bereits weitergeswiped, noch bevor sich eine tiefere Botschaft offenbaren konnte. Doch fast jedes Werk, jedes Motiv und jede Tätowierung birgt Schichten, die weit über das hinausgehen, was das Auge im Vorbeigehen erfasst. Es sind oft kleine Details oder bewusste Entscheidungen, die einem Bild erst seinen eigentlichen Wert verleihen. Erst wenn wir innehalten und das Gesehene hinterfragen, beginnt das eigentliche Verstehen.
Hier setzt mein Projekt „More Than You See“ an. Es ist der Versuch, einen einfachen und unvoreingenommenen Zugang zu den Geschichten hinter den Motiven zu finden – egal ob im klassischen Ölgemälde oder unter der Haut. Mit einem schlichten, analytischen Interesse stelle ich mir die Fragen, die uns alle beschäftigen könnten: Warum wurde genau dieses Symbol gewählt? Welche Absicht könnte der Urheber verfolgt haben? Und warum nutzt er genau dieses Motiv an genau dieser Stelle?
Dabei spreche ich nicht aus der Sicht eines studierten Kunsthistorikers, sondern als jemand, der schlichtweg wissen will, was „Sache“ ist. Es geht mir nicht um die eine, absolute Wahrheit, sondern um eine gemeinsame Annäherung an das Thema – ohne den üblichen Galerie-Staub und ohne kompliziertes Kunst-Geschwafel. „More Than You See“ soll ein Anfang für alle sein, die Lust haben, ein wenig genauer hinzusehen. Denn am Ende des Tages ist Kunst genau das, was wir daraus machen – solange wir bereit sind, den zweiten Blick zu wagen.
„Man sieht nur, was man weiß.“
— Johann Wolfgang von Goethe